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Nachhaltigkeit

Lieferketten-Resilienz durch WAAM: So verkürzen Sie die Beschaffung von Metallteilen von 9 Monaten auf wenige Tage

By 9. September 2025November 26th, 2025No Comments

Globale Lieferketten sind volatil. Geopolitische Spannungen, logistische Engpässe und Lieferantenausfälle haben gezeigt, wie schnell traditionelle, prognosebasierte Beschaffungsmodelle an ihre Grenzen stoßen. Für Unternehmen beispielsweise im Maschinenbau, in der Energie- oder Schifffahrtsindustrie ist die Frage drängender denn je: Wie sichern wir die Verfügbarkeit kritischer Metallteile, ohne monatelang zu warten? Die Antwort liegt in einem fundamentalen Wandel: weg vom Warten, hin zur agilen, bedarfsgerechten On-Demand-Fertigung.

WAAM: Wenn Metallteile direkt aus digitalen Daten entstehen

Hier kommt Wire Arc Additive Manufacturing (WAAM) ins Spiel – eine Technologie, die Wertschöpfungsketten neu definiert. WAAM ist ein additives Verfahren, das auf der Fusion von bewährter Schweißtechnik und präziser CNC-Steuerung basiert. Anstatt ein Bauteil aus einem massiven Block zu fräsen, wird es Schicht für Schicht aus einem kostengünstigen Metalldraht aufgebaut.

Das Herzstück unserer Lösung ist eine vollwertige CNC-Maschine, die diesen additiven Fertigungsprozess nutzt. Für maximale Präzision und Prozesssicherheit setzen wir dabei auf eine durchgängige Siemens-Systemkette: Die Maschinenprogramme werden in Siemens NX erstellt und von der Steuerung Sinumerik One perfekt umgesetzt.

Dieser Ansatz ermöglicht die Fertigung sehr großer Metallbauteile mit beeindruckend hohen Aufbauraten von bis zu 5 kg pro Stunde. Da im endkonturnahen Verfahren (Near-Net-Shape) gearbeitet wird, entsteht ein Bauteil, das dem Endprodukt schon sehr nahekommt. Der entscheidende Vorteil: Der gesamte Prozess ist werkzeuglos. Teure Gussformen oder Schmiedegesenke, deren Herstellung allein Monate dauern kann, entfallen komplett. Das macht die Fertigung bereits ab Losgröße 1 hochwirtschaftlich.

Die strategischen Vorteile: Mehr als nur Geschwindigkeit

Die Umstellung auf WAAM entkoppelt Sie von den Widrigkeiten langer Lieferketten und bietet handfeste, strategische Vorteile:

  • Radikale Reduzierung der Durchlaufzeit: Was bei Schmiedeteilen oft 12 bis 18 Monate dauert, ist mit WAAM, je nach Bauteil, in wenigen Wochen bis zu wenigen Stunden realisierbar. Eine Komprimierung der Lead-Time um über 90 % ist keine Vision, sondern Realität.
  • Vom physischen zum digitalen Lager: Statt teurer, physischer Ersatzteile lagern Sie lediglich zertifizierte CAD-Dateien. Bei Bedarf wird das Teil gedruckt. Dieses „digitale Inventar“ minimiert gebundenes Kapital, senkt Lagerkosten und eliminiert das Risiko veralteter Bestände.
  • Dezentrale On-Demand-Fertigung: Produzieren Sie Bauteile dort, wo sie gebraucht werden – direkt vor Ort in Ihrer Anlage, in der Werft oder im Wartungsdepot. Das stärkt die Unabhängigkeit und reduziert Risiken durch globale Logistikketten drastisch.
  • Überlegene Material- und Kosteneffizienz: Beim herkömmlichen Zerspanen eines Titanbauteils können über 90 % des teuren Rohmaterials als Abfall enden (Buy-to-Fly-Ratio > 10:1). WAAM als additives Verfahren reduziert diesen Materialverlust auf unter 10 % (Buy-to-Fly-Ratio < 2:1). Das bedeutet massive Kosten- und Ressourceneinsparungen.
  • Enorme Materialvielfalt: Grundsätzlich kann jeder schweißbare Metalldraht verarbeitet werden. Das eröffnet eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten mit industrierelevanten Werkstoffen wie Titanlegierungen (z. B. Ti-6Al-4V), Stählen, Nickel-Superlegierungen (z. B. Inconel 625) und Bronzelegierungen.

Industriell erprobt: WAAM in der Praxis

Die Praxistauglichkeit von WAAM ist keine Theorie, sondern wird durch hochkarätige Fallstudien untermauert:

  • Energiesektor (Siemens Energy): Konfrontiert mit einer Lieferkettenkrise bei Leitschaufeln für Dampfturbinen, setzte Siemens Energy auf WAAM. Das Ergebnis: vollständige Unabhängigkeit vom Lieferanten und die erfolgreiche Serienproduktion von über 2.000 kritischen Bauteilen – ein Meilenstein, der die industrielle Reife der Technologie beweist.

Ein realistischer Blick: Der hybride Prozess

WAAM ist ein extrem leistungsfähiges Verfahren zur Herstellung der endkonturnahen Grundform. Um höchste Präzision zu erreichen, ist das fertige Bauteil das Ergebnis eines hybriden Prozesses: Nach dem additiven Aufbau folgt häufig eine Wärmebehandlung (Spannungsarmglühen) zur Sicherung der mechanischen Integrität und eine finale CNC-Nachbearbeitung für Passflächen und exakte Toleranzen. WAAM und die subtraktive Fertigung arbeiten hier Hand in Hand.

Fazit: Gestalten Sie Ihre Lieferkette neu

In einer Zeit, in der Resilienz und Agilität entscheidend sind, ist WAAM mehr als nur eine Fertigungstechnologie – es ist ein strategisches Instrument. Es ermöglicht den Aufbau eines neuen, agilen Produktionsökosystems, das Sie unabhängig von volatilen globalen Märkten macht. Statt monatelang zu warten, können Sie kritische Bauteile innerhalb von Wochen selbst herstellen und damit Stillstände minimieren, Kosten senken und Ihre operative Flexibilität maximieren.

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